Von Hermann Aichele-Tesch
Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen des Gesprächs mit Moslems aufzuzeigen, war das Ziel eines Vortrags in der Kirchengemeinde Meimsheim.
Gastredner war der württembergische Pfarrer Hanna Josua, der aus dem Libanon stammt. Er ist schon seit seiner Jugendzeit blind, hat aber in Beirut die Geschichte des Islam studiert und in der Missionsschule Unterweißach bei Backnang evangelische Theologie gelernt.
Aufgrund seiner Biographie und Ausbildung und entsprechend seiner inneren Berufung wurde Josua zum Geschäftsführer der evangelischen Ausländerseelsorge, besonders zuständig für arabische Zuwanderer. In Meimsheim predigte er zunächst bei einem Gottesdienst "Moses Begegnung mit Gott am brennenden Dornbusch" und hielt einige Tage danach bei einem Gemeindeabend den Vortrag zum Thema: "Abraham - Vater aller Glaubenden.
Grundlage für eine abrahamische Ökumene?" Die Zusatzfrage war als gezielte Herausforderung zu verstehen. Denn es gibt zwischen der jüdisch-christlichen Erzählung von Abraham und der islamischen Darstellung bezeichnende und wichtige Unterschiede - etwa dass Teile der Geschichte Abrahams in Mekka festgemacht werden.
Solche Unterschiede stellte der Redner kenntnisreich dar. Er nahm dazu als Beispiel die Geschichte, wie Abraham seinen Sohn opfern sollte und schließlich doch nicht opfern musste. In der Bibel ist sie bekannt als Isaaks Opferung. War auch im Koran an Isaak oder an Ismael gedacht?
Josua zeigte die, auch innerislamisch, verschiedenen Auslegungstraditionen und die zum Teil sehr unterschiedlichen erzählerischen Absichten. In Bezug auf die christliche Erzähltradition wies Pfarrer Josua darauf hin, wie gerade die innere Verknüpfung mit dem Kreuzestod Jesu seiner Ansicht nach Ansatzpunkt für ein " missionarisches Gespräch" gegenüber Moslems werden könnte: Christen erzählten eben nicht nur vom Gehorsam einfordernden Gott, sondern von seiner erlösenden Heilstat.
Bei dieser Art missionarischem Gespräch dürfe aber, betonte Josua, nicht verletzend geredet werden. Und er traf eine sehr wichtige Unterscheidung: Gegenüber verfassungsfeindlichen islamistischen Tendenzen müssten Gesellschaft und Polizei hart sein, gegenüber den Moslems als Menschen sollte aber jeder Offenheit zeigen.
07.07.2003